Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Rat der Stadt Viersen beantragt, im Rahmen des Projekts „Viersener Natur- und Kulturpunkte“ einen Themenrundweg „Viersener Frauen und Gleichstellung“ einzurichten.
Die Verwaltung wird beauftragt, in Abstimmung mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Viersen, „Euregia Frauenwege zwischen Rhein und Maas“ e.V. sowie unter Einbeziehung geeigneter fachkundiger Stellen und AkteurInnen Vorschläge für Stationen eines solchen Rundwegs zu erarbeiten und dem zuständigen Ausschuss sowie dem Rat zur Entscheidung vorzulegen.
Der Rundweg soll Stationen umfassen, die an die Geschichten besonderer Viersener Frauen erinnern, die in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen — etwa Arbeitsleben, Bildung und Weiterbildung, Wissenschaft, Kultur, Religion, Politik, sozialem Engagement oder bürgerschaftlichem Einsatz — gewirkt und die Stadt Viersen auf besondere Weise geprägt haben. Ebenso sollen Stationen berücksichtigt werden können, die allgemein an die Geschichte, Entwicklung und Bedeutung von Gleichstellung, Frauenrechten und gesellschaftlicher Teilhabe in Viersen erinnern.
Die Stationen sollen in das bereits beschlossene einheitliche Informationssystem „Viersener Natur- und Kulturpunkte“ integriert werden. Die Informationen sollen entsprechend dem vorliegenden Konzept über einheitlich gestaltete Kulturpunkte mit QR-Codes abrufbar gemacht werden. Die Inhalte sollen von der Verwaltung redaktionell betreut und technisch verantwortet werden. Neben einzelnen Stationen soll auch eine digitale Themenroute erstellt werden, die die ausgewählten Punkte miteinander verbindet und über die städtische Website sowie perspektivisch über weitere digitale Angebote der Stadt abrufbar ist.
Bei der Erarbeitung der Stationen ist darauf zu achten, dass die dargestellten Biografien und Themen die Vielfalt weiblicher Lebensrealitäten und gesellschaftlicher Beiträge in Viersen sichtbar machen. Ziel soll es sein, sowohl bekannte als auch bisher weniger beachtete Frauen und Orte der Viersener Stadtgeschichte in den Blick zu nehmen.
Begründung
Mit dem Projekt „Viersener Natur- und Kulturpunkte“ hat die Stadt Viersen die Möglichkeit geschaffen, kulturhistorische, naturkundliche und stadtgeschichtlich bedeutsame Orte im gesamten Stadtgebiet sichtbar, verständlich und digital zugänglich zu machen. Der ursprüngliche Antrag unserer Fraktion sah bereits vor, auf dieser Grundlage auch Themenrouten zu entwickeln, die bestimmte Natur- oder Kulturpunkte miteinander verbinden. Als mögliches Themenfeld wurden dabei ausdrücklich auch „Personen und Persönlichkeiten“ benannt.
Der Themenrundweg „Viersener Frauen und Gleichstellung“ greift diesen Ansatz auf und erweitert ihn um einen wichtigen gleichstellungs- und erinnerungspolitischen Schwerpunkt. Frauen haben die Geschichte Viersens in vielfältiger Weise mitgestaltet: in Familien, Betrieben, Schulen, Kirchen, Vereinen, sozialen Bewegungen, Wissenschaft, Kultur, Politik und Ehrenamt. Dennoch sind ihre Leistungen und Lebensgeschichten im öffentlichen Raum häufig weniger sichtbar als die von Männern. Straßennamen, Denkmäler, Gedenktafeln und historische Erzählungen bilden die tatsächliche Vielfalt städtischer Geschichte oft nur unvollständig ab.
Ein Rundweg zu Viersener Frauen und Gleichstellung kann dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Er macht sichtbar, welchen Beitrag Frauen zur Entwicklung der Stadt geleistet haben, und lädt Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Besucherinnen und Besucher dazu ein, Viersener Stadtgeschichte aus einer bislang zu wenig beachteten Perspektive zu entdecken. Zugleich bietet der Rundweg die Möglichkeit, die Entwicklung von Gleichstellung, Teilhabe und Frauenrechten vor Ort anschaulich zu vermitteln.
Die Abstimmung mit der Gleichstellungsstelle sowie dem Verein Euregia – Frauenwege zwischen Rhein und Maas e.V. ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Gleichstellungsstelle kann sicherstellen, dass der Rundweg nicht nur einzelne Biografien würdigt, sondern auch den größeren gesellschaftlichen Zusammenhang von Gleichstellung, Teilhabe, Anerkennung und struktureller Benachteiligung berücksichtigt. Der Verein Euregia – Frauenwege zwischen Rhein und Maas e.V. hat die Biografien erarbeitet und würde das Projekt inhaltlich unterstützen.
Da für den Start des Projekts „Viersener Natur- und Kulturpunkte“ im Haushalt 2026 bereits Mittel in Höhe von 15.000 € vorgesehen sind und die Umsetzung auf Grundlage des vorhandenen Konzepts beginnen soll, bietet es sich an, den Themenrundweg „Viersener Frauen und Gleichstellung“ frühzeitig mitzudenken und in die Auswahl erster bzw. weiterer Kulturpunkte einzubeziehen. Auf diese Weise kann mit überschaubarem zusätzlichem Aufwand ein sichtbarer Beitrag zur Gleichstellung, zur Erinnerungskultur und zur kulturellen Bildung in Viersen geleistet werden.
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