Digitalisierung

15.12.22: Antrag auf Einrichtung eines einheitlichen Informationssystems „Viersener Natur- und Kulturpunkte“ zu naturkundlichen und kulturhistorischen Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten in den Viersener Ortsteilen, den Parks, Wäldern und in der freien Landschaft

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Rat der Stadt Viersen beantragt, im Stadtgebiet ein einheitliches Informationssystem von „Natur- und Kulturpunkten“ aufzubauen, um die Viersener Bürgerinnen und Bürger, aber auch auswärtige Gäste über kulturhistorische und naturkundliche Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten unmittelbar vor Ort in den vier Ortsteilen, im Wald und in der freien Landschaft zu informieren. Die Information soll im Wesentlichen über QR-Codes erfolgen, die mit dem Smartphone ausgelesen werden können. Die Inhalte der hinterlegten einzelnen Webseiten werden von der Verwaltung redaktionell betreut und technisch verantwortet. Dazu sind – als Bestandteil der derzeit betriebenen Website oder als ergänzendes Angebot – sukzessive entsprechende Themenseiten zur Kultur- und Naturgeschichte der Stadt aufzubauen. Mit der möglicherweise in Zukunft zur Verfügung stehenden Viersen-App soll das System kompatibel sein. Vorschläge für einzelne Punkte und mögliche Inhalte können durch das Kreisarchiv, durch Bürgerinnen und Bürger sowie fachlich versierte Verbände und Vereine (z.B. Heimatverein, Kreisarchiv, NABU, Verein für Erinnerungskultur, Euregia e.V. usw.) eingereicht werden. Über die Einrichtung eines Natur- oder Kulturpunktes entscheidet jeweils der Stadtrat.

Die neuen „Naturpunkte“ und „Kulturpunkte“ sollen je nach Standort im Straßenraum, in Parks, im Wald oder der freien Landschaft als bodennahe Elemente oder als gut wahrnehmbare Plaketten gestaltet werden. Neben einem deutlich sichtbaren Erkennungsmerkmal (Logo „Viersener Naturpunkt“ oder „Viersener Kulturpunkt“) sollen sie nur einen Titel, ggf. eine laufende Nummer und den QR-Code als Informationselemente tragen. Um sie möglichst resistent gegen Verwitterung und Vandalismus zu machen, sollen die Punkte möglichst fest im Boden oder im Mauerwerk verankert und aus Edelstahl gefertigt sein, der QR-Code und die Schrift eingraviert werden. Mit der grundlegenden Gestaltung der Säulen und Plaketten ist ein mit dem Design und der Entwicklung entsprechender Medien vertrauter Dienstleister zu beauftragen. Die Gestaltung sowohl der Träger der QR-Codes als auch der hinterlegten Webseiten erfolgt grundsätzlich einheitlich, um den Wiedererkennungswert zu steigern und die Nutzerinnen und Nutzer mit dem System vertraut zu machen.

Begründung:

In ihren vier Ortsteilen sowie zahlreichen gewachsenen dörflichen Siedlungsstrukturen und Honschaften, in der Natur und Landschaft entlang der Süchtelner Höhen, an Niers und Nette birgt die Stadt Viersen einen reichhaltigen Schatz an Kultur- und Naturgütern. Ihre Entwicklung als Siedlungsgebiet ist über einen langen Zeitraum gut dokumentiert. Kulturhistorische Sehenswürdigkeiten und landeskundliche Besonderheiten finden sich überall im Stadtgebiet und in der freien Landschaft. Nicht nur in den Naturschutzgebieten Fritzbruch, Salbruch, Rintger Bruch, Bockerter Heide und Boisheimer Nette finden sich die typischen Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen des Niederrheins. Die geologische Besonderheit der Süchtelner Höhen und des Hohen Buschs prägt die Viersener Landschaft und ist weithin wahrnehmbar. Neben zahlreichen historischen Gebäuden verfügt Viersen über eine bedeutende Skulpturensammlung im öffentlichen Raum.

Die meisten dieser kulturellen und naturkundlichen Besonderheiten erklären sich jedoch nicht von selbst. Das Verstehen und manchmal sogar das Erkennen dieser Sehenswürdigkeiten setzen nicht nur Interesse, sondern oft auch entsprechendes Wissen voraus. Auch viele markante Punkte, wie die Dülkener Windrose, die Irmgardiskapelle, den Bismarckturm, das Kreiskriegerdenkmal und der alte Wasserspeicher sind zwar den meisten Viersenerinnen und Viersenern dem Anblick nach bekannt, ihre historische und funktionale Bedeutung bleibt aber ohne entsprechende Hinweise leider oft im Dunkeln.

So ist das Wissen um die Besonderheiten der Viersener Kultur- und Naturgeschichte zwar vorhanden und gut dokumentiert, muss aber von jedem oder jeder einzelnen wieder mühevoll recherchiert werden. Auch stehen noch längst nicht alle Daten und Fakten online zur Verfügung. Einzelne Bemühungen, die Informationen über wissens- und bedenkenswerte, aber auch unterhaltsame und spannende Aspekte Viersener Natur und Kultur für die Öffentlichkeit zu erschließen, sind bis jetzt punktuell geblieben. Manche lobenswerten Versuche, wie das „Zeitfenster am Kesselsturm“ in Dülken, mussten später nach Vandalismusschäden aufgegeben werden. Im Zusammenhang mit der Neu-Anlage der Süchtelner Innenstadt um den Lindenplatz werden derzeit neue Ansätze für historische Informationen verfolgt. Für das geplante Konzept der Neu-Erschließung des Gebiets Süchtelner Höhen/Hoher Busch für Natur, Freizeit und Umweltbildung sind ebenfalls neue Informationssysteme zu erwarten. Ein einheitlicher Ansatz ist dabei leider nicht in Sicht. Alle Bemühungen in diese richtige Richtung waren bis jetzt leider Flickwerk und verfielen nach einiger Zeit- entweder, weil sie dem Vandalismus zum Opfer fielen oder sich niemand um Aktualisierung und Pflege bemüht hat.

Um diese punktuellen Ansätze nachhaltig zusammenzuführen und zukunftssicher zu gestalten, braucht unsere Stadt ein zentrales Konzept für die Information über ihre kulturellen, kulturhistorischen, landes- und naturkundlichen Besonderheiten auf der Grundlage aktueller digitaler Technik, das die Nutzerinnen und Nutzer in die Lage versetzt, Wissen vor Ort digital abzurufen und später auch von zu Hause aus weiter zu vertiefen. Eine zentrale Wissensplattform von Webseiten im Rahmen des städtischen Internetauftritts in Verbindung mit zahlreichen Natur- und Kulturpunkten“ stellt eine gute Basis dar, um die Menschen dauerhaft an ihre Heimat zu binden und eine verbindende kulturelle Identität zu schaffen. Die Idee der „Viersener Natur- und Kulturpunkte“ bietet dafür alle Voraussetzungen.

Die Auswirkungen auf den städtischen Haushalt bleiben im Rahmen, wenn nach der konzeptionellen Umsetzung und Fertigung eines „Startsets“ von Natur- und Kulturpunkten durch eine beauftragte Agentur neue Punkte über mehrere Haushaltsjahre hinweg nur sukzessive und nach Maßgabe der vorhandenen Haushaltsmittel ergänzt werden. Die mittels der QR-Codes verlinkten Themenseiten sollen nur die Basisinformationen enthalten und für tiefergehende Betrachtungen auf externe Fachseiten verlinken. Vorschläge Dritter – z.B. des Kreisarchivs oder fachlich versierter Verbände und Vereine – sollen begründet und mit einem konkreten Textentwurf verbunden sein müssen. Auch hierdurch kann der erforderliche Aufwand in Grenzen gehalten werden. Die direkte Verlinkung der QR-Codes der städtischen Informationspunkte mit externer Information sollte dagegen unbedingt vermieden werden, um die Verantwortlichkeit für das Informationsnetz zu dokumentieren, Fehlinformationen zu vermeiden und die technischen Voraussetzungen (Erreichbarkeit der mit dem QR-Code verlinkten URL) dauerhaft zu erhalten.

Auf der städtischen Website sollten die Viersener Natur- und Kulturpunkte in einer geodaten-basierten Karte angezeigt werden. Sofern eine Viersen-App realisiert wird, sollte das Angebot hier ebenfalls eingebunden werden. Um das Angebot zur Freizeitgestaltung im Stadtgebiet weiter zu verbessern, sollte auch die Möglichkeit von organisierten Outdoor-Spielen wie Scavanger Hunt (früher bekannt als „Schnitzeljagd“) mitbedacht werden, die die neuen Viersener Natur- und Kulturpunkte mit wechselnden Inhalten und Themen einbeziehen. Auch könnten auf dieser technischen Grundlage ohne großen Aufwand Themenrouten ausgegeben werden, die bestimmte Natur- oder Kulturpunkte zu festgelegten Themen miteinander verbinden (Irmgardispfad, Mispelweg, Skulpturenpark, historische Parkanlagen, Personen und Persönlichkeiten usw.). Multimediale Informationen wie Video- und Audio-Podcasts zu den einzelnen Natur- und Kulturpunkten könnten über die entsprechenden Webseiten ebenfalls eingebunden werden.

 

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