Biodiversität

29.08.2022 Antrag auf Einbeziehung spätblühender, nektarbildender Bepflanzung im Zuge der Konzepterstellung „Zukunft Stadtgrün“

Die Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN beantragt, im Zuge der Erstellung des Konzepts „Zukunft Stadtgrün“ nektarbildende und insbesondere spätblühende Pflanzen in der Planung zu berücksichtigen, um Insekten wie Faltern, Hummeln und Bienen auch im Hoch- und Spätsommer ein ausreichendes Nahrungsangebot zu bieten.

 

Die Bepflanzung wird in der Lokalpresse und im Stadtmagazin öffentlichkeitswirksam begleitet, um den BürgerInnen Nutzen und Vorteile aufzuzeigen.

Begründung:

Alljährlich kommt es zwischen Juli und August zu einem massenhaften Sterben von Hummeln. Auch in Viersen war dieses Phänomen in diesem Jahr zu beobachten. Die Lokalpresse hat von hunderten toter Hummeln an einem Wegrand im Stadtgebiet berichtet (siehe unter „Weiterführende Informationen“).

Vermehrt tritt explizit das Hummelsterben unter den spät blühenden Silberlinden auf. Wenn nämlich Winter- und Sommerlinden Mitte Juli verblüht sind, kommt es zu einer Lücke im Nahrungsangebot für Bienen und Hummeln. Das Nektar- und Pollenangebot nimmt ab und die Insekten konkurrieren um den verbleibenden Nektar der Silberlinden, die sie mit ihrem starken Duft anlocken. Linden stellen aber am Ende ihrer Blütezeit den Nektarfluss schlagartig ein und so verhungern die Hummeln, während sie in der Nähe der Linden weiter nach Nektar suchen. Im Gegensatz zu Honigbienen legen sie kaum Nektarvorräte an und kommen daher mit der Versorgungslücke schlechter zurecht.

Wie die Gesamtheit der Bienen, so sind insbesondere Hummeln unerlässlich für die Bestäubung von Pflanzen. Einige Pflanzen werden sogar ausschließlich durch Hummeln bestäubt.

Das alljährlich auftretende Hummelsterben sollte in unseren Augen darum nicht einfach nur bedauert werden. Die Lage ist vor dem Hintergrund des allgemein stark voranschreitenden Verlusts von Individuen und Arten bei allen Bestäubern dramatisch!

Um diesem Verlust zu begegnen, bietet es sich an, über das Stadtgebiet verteilt ausreichend alternative Blühpflanzen bereitzustellen und auf diese Weise mit Nahrungsinseln ein konstantes Angebot zu schaffen. Dies insbesondere, weil städtisches Grün durch die intensive Bewirtschaftung anderer Flächen ein immanent wichtiger Rückzugsraum für Wildtiere geworden ist.

Eine solche Bepflanzung mit vielfältigen nektar- und pollenreichen, spätblühenden Sorten könnte systematisch im Konzept „Zukunft Stadtgrün“ angelegt werden. Auch nachtblühende Pflanzen bilden einen wichtigen Beitrag. Diese sind unerlässliche Futterpflanzen für nachtaktive Bestäuber, insbesondere Nachtfalter.

Mit einer solchen gezielten Bepflanzung würden wir nicht nur den Insekten helfen.

Auch das menschliche Auge kann sich an einer zusätzlichen Farben- und Blütenpracht im Hochsommer erfreuen. Dazu verströmen nachtblühende Arten in der Regel einen intensiven Duft, was für uns eine besondere Attraktivität besitzt, wenn wir uns in der Nähe dieser Pflanzen bewegen.

Bei der Wahl der Pflanzen bieten sich vorwiegend heimische Wildstauden an, die reichlich Nektar und Pollen bieten, weniger pflegeintensiv sind und gleichzeitig mit Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen. Es gibt aber auch zahlreiche Zierpflanzen, die bei entsprechender Auswahl geeignet sind.

Um der in der Bevölkerung verbreiteten Skepsis gegenüber einer Bepflanzung mit Wildstauden und bestäuberfreundlichen Pflanzen zu begegnen, die mitunter im Vergleich zu gezüchteten Sorten vielfach zu Unrecht als ungepflegt angesehen werden, sollen Vorteile und Nutzen sowohl in der Lokalpresse als auch in Hauswurfsendungen und im Stadtmagazin dargestellt werden. So kann es gelingen, bei einem solchen Projekt einen möglichst großen Anteil der Bevölkerung mitzunehmen. Dies könnte zum Beispiel in einer wöchentlichen Kolumne geschehen, bei der jeweils Pflanzen porträthaft vorgestellt werden.

Auf diese Weise werden nicht nur Verständnis und Akzeptanz geschaffen. Viele BürgerInnen orientieren sich an solchen Beispielen und greifen die Pflanzenauswahl für die heimischen Gärten und Balkone auf. So entstehen langfristig vorhandene Nahrungsinseln im ganzen Stadtgebiet und Bestäuber bekommen vielfältige Angebote.

 

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