PM: Viersener Grüne wollen neue Wälder – Bürger sollen helfen

Die Ratsfraktion von Bündnis90/DIE GRÜNEN hat bei der Viersener Verwaltung beantragt, dass auf städtischen Flächen, die bislang zum Beispiel als Agrarflächen genutzt werden, im Kampf gegen den Klimawandel und für den Naturschutz  neue Wälder angelegt werden. Außerdem schlagen Sie die Vergabe von Waldpatenschaften vor.

Die Grünen begründen ihren Antrag unter anderem mit einer Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, die im Juli 2019 im Fachmagazin Science veröffentlicht wurde. Mit dieser Studie hatte eine internationale Forschergruppe die effektive Wirksamkeit der Anlage neuer Wälder gegen den Klimawandel wissenschaftlich belegen können: Keine andere Maßnahme sei derzeit mehr geeignet, die bereits unvermeidliche Erhitzung der Erdatmosphäre auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Durch die Bindung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre sind Bäume – aber auch andere Pflanzen des Waldes und der humose Waldboden selbst – geeignet, als sogenannte „CO2-Senke“ wirksam zu werden. Weltweit, so die Schweizer Forscher, müssten rund 900 Millionen Hektar zusätzlich mit Bäumen bepflanzt werden, um den Klimawandel wirkungsvoll zu bremsen.

Fraktionsvorsitzende Martina Maaßen argumentiert mit der Vorreiterrolle, die deutsche Kommunen mit der Anlage neuer Wälder einnehmen können: „Angesichts brennender Urwälder in Amazonien und Alaska und eines zweifelhaften Umweltbewusstsein der dort verantwortlichen Regierungen halten wir es nicht für angebracht, dass sich die Länder der Europäischen Union im Kampf gegen den Klimawandel allein auf Länder verlässt, die bislang noch über waldreiche, großflächigen Naturräume verfügen. Es ist an der Zeit, sich auch hierzulande auf allen Ebenen stärker mit dem Thema auseinanderzusetzen und Wälder auch auf kommunalen Flächen neu zu begründen. Nur mit einer möglichst breit angelegten Aktion können wir das Potenzial der Wälder, schädliche Klimagase zu binden, wirklich ausschöpfen.“

In ihrem Antrag verweisen die Grünen auch darauf, dass nachhaltig bewirtschaftete Wälder, die nur sehr extensiv genutzt werden, vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen bilden und auch für die Bürgerinnen und Bürger durch ihre kühlende Wirkung auf das Stadtklima sowie als Erholungsraum zahlreiche Funktionen wahrnehmen. Für den Arten- und Naturschutz, so die Grünen, könnten neue Waldflächen auch als Biotop-Korridore zwischen bestehenden Naturräumen von großem Nutzen sein.

Die Stadt soll jetzt prüfen, welche Flächen im Eigentum der Stadt Viersen dafür in Frage kommen und welche Mittel benötigt würden, um dort artenreichen, klimastabile Mischwälder neu anzulegen und dauerhaft zu erhalten. Dabei sollen, wo immer dies möglich ist, geeignete Fördermittel des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen in Anspruch genommen und die Leitlinien des Bundes und des Landes für den Waldbau im Klimawandel beachtet werden.

Nach Ansicht der Grünen Fraktion könnten Wiederaufforstung und Neubewaldung auch als Bürger-Projekt „Mehr Wald für Viersen“ angestoßen, mit Hilfe privater Gelder finanziert und mit ehrenamtlicher Arbeit unterstützt werden. Dazu Jörg Eirmbter-König, Vertreter der Grünen im Umweltausschuss: „Um die Kosten für den städtischen Haushalt und die Belastung des Personals in Grenzen zu halten, sollten wir auch über die dauerhafte Vergabe von Patenschaften für einzelne Waldparzellen nachdenken. So könnten Firmen, Privatleute und Vereine sich entweder finanziell oder mit eigener Arbeitskraft dafür einbringen, dass Setzlinge gekauft, gepflanzt und beispielsweise bei Trockenheit gewässert werden können – so wie das im Sommer 2019 schon als Notmaßnahme von der Stadt durchgeführt wurde. Unsere Fraktion wäre gerne bereit, so eine Patenschaft zu übernehmen.“ Die Viersener Grünen können sich auch die Anlage eines sogenannten „Hochzeitswaldes“ vorstellen, in dem Brautpaare am Tag ihrer Trauung einen Baum zur Erinnerung pflanzen. Auch die Idee eines Friedwalds im südlichen Teil des Süchtelner Waldfriedhofs bringen sie mit ihrem Antrag ins Spiel.

Angesichts der teilweise dramatischen Waldschäden hatte das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft  Fachleute, Wissenschaftler und Entscheidungsträger aus Bund und Ländern für den 25. September zum Nationalen Waldgipfel eingeladen. Hierbei wurden Bundesmittel von fast 550 Millionen Euro zur Schadensbewältigung und für Aufforstungen in Aussicht gestellt, von denen auch die kommunalen Waldbesitzer profitieren dürften.

Hier können Sie den kompletten Antrag lesen

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