17.03.2021 Antrag auf kostenlose private Anlieferung von Grünschnitt zur Verbrennung in städtischen Biomasse-Heizwerken

Die Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN beantragt, die Anlieferung von Baum- und Strauchschnitt aus privaten Gärten im Stadtgebiet kostenlos zu ermöglichen und damit neue städtische Biomasse-Heizwerke zu betreiben. Die Stadt Viersen richtet dazu Sammelstellen ein, an denen die Bürger*innen ihren Grünschnitt abladen können.

Begründung:
Gemäß einem Ratsbeschluss von November 2019 verfolgt die Stadt Viersen das Ziel, den Pro-Kopf-Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid bis zum Jahr 2035 auf unter zwei Tonnen pro Jahr zu senken. Ein wesentlicher Schlüssel für die erfolgreiche Umsetzung dieses Vorhabens liegt im umfassenden Einsatz erneuerbarer Energien. Einen wichtigen Beitrag dazu kann der Einsatz von Biomasse zur Wärmegewinnung liefern. Biomasse ist nicht nur kostengünstig, sondern schont aufgrund des geschlossenen Kohlenstoff-Kreislaufs auch die Umwelt. So wird bei der Verbrennung nicht mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre abgegeben, als die Pflanzen in ihrer Wachstumsphase aus der Luft aufgenommen haben.
Derzeit betreibt die Stadt Viersen drei Hackschnitzelheizanlagen in städtischen Schulgebäuden sowie eine weitere im technischen Rathaus. Hier wird schon nahezu klimaneutral geheizt und in erheblichem Maße Heizkosten eingespart. Hackschnitzel können ohne aufwendige Aufbereitungsschritte problemlos und zu niedrigeren Kosten durch die Stadt selbst hergestellt werden. Das jährliche Aufkommen an Grünschnitt und Restholz von städtischen Flächen reicht allerdings gerade aus, um diese vier Anlagen zu betreiben. Weitere Anlagen dieser Art würden unter den gegebenen Bedingungen den Zukauf von Heizmaterial erforderlich machen, was eine Investition derzeit unwirtschaftlich erscheinen lässt.
Ein großes und bislang für die Energiegewinnung ungenutztes Potenzial bleibt dabei allerdings völlig unberücksichtigt: Jahr für Jahr fallen auf privatem Grund große Mengen an energiereichem Grünschnitt an, die getrocknet und aufbereitet einen hohen Heizwert haben dürften. Nach geltendem Recht handelt es sich um „biologisch abbaubare Abfälle“, für deren Entsorgung die zuständige Kommune die Verantwortung trägt. In Viersen wird Grünschnitt von privaten Grundstücken derzeit zu den angekündigten Zeiten abgeholt – oder er kann direkt zur Sammelstelle der EGN im Ortsteil Süchteln angeliefert werden, wo er zu Kompost verarbeitet wird. Allerdings ist für die Entsorgung bei Anlieferung eine Gebühr zu entrichten.
Unter diesen Bedingungen bietet es sich aus unserer Sicht dringend an, dass die Eigentümer*innen privater Flächen im Stadtgebiet ihren Grünschnitt in Zukunft kostenfrei an städtischen Sammelstellen abgeben können. Getrocknet und aufbereitet kann er für die Verbrennung in städtischen Biomasse-Heizwerken verwendet werden. Dieser Verwendung soll auch der im Auftrag der Stadt eingesammelte gebündelte Grünschnitt in Zukunft zugeführt werden. Dazu müssten gegebenenfalls die Verträge mit den im Auftrag der Stadt tätigen Dienstleistern überprüft und bei nächster Gelegenheit angepasst werden.
Die Vorteile dieser Lösung liegen für uns auf der Hand: Durch das Angebot kostenfreier Sammelstellen beziehen wir die Bürger*innen aktiv in die Energiewende ein, die auf diese Weise ihren Teil zum Schutz des Klimas beitragen können. Zugleich sparen sie Kosten für die Entsorgung von „Abfällen“ ein. Mit Biomasse-Heizwerken setzen wir zudem auf eine ausgereifte und bewährte Technologie, deren Kosten und Nutzen klar kalkulierbar sind. Wie auch durch den Einsatz von Photovoltaik werden durch weitere mit Biomasse betriebene Heizanlagen in städtischen Gebäuden vermehrt Energiekosten eingespart und der städtische Haushalt mittelfristig entlastet. Durch den vermehrten Einsatz erneuerbarer Energie bringen wir den Klimaschutz voran und kommen unserem per Ratsbeschluss erklärten Klimaziel näher.
Lassen Sie uns Vorbild beim Klimaschutz sein! Nehmen wir alle Chancen wahr, die sich uns bieten, damit unsere Stadt so bald wie möglich klimaneutral wirtschaftet.

Beispiel Rhein-Hunsrück-Kreis:
In den Kommunen des Rhein-Hunsrück-Kreises, der seit 2018 bereits bilanziell klimaneutral ist, wurden 120 Sammelstellen eingerichtet, an denen kostenlos privater Baum- und Strauchschnitt angeliefert werden kann. Ein zentraler Platz dient der Aufbereitung des Materials. Mit diesem Grünschnitt werden zu Nahwärmeverbünden zusammengeführte öffentliche Gebäudekomplexe wie Schulen, Sporthallen, Hallenbäder und Seniorenwohnheime beheizt. Kommunen, die das Modell an ihren Schulzentren umgesetzt haben, sind beispielsweise Simmern, Kirchberg und Emmelshausen.
Insgesamt liegt die jährliche Ersparnis dort im Landkreis bei 800.000 Litern Heizöläquivalent. Eine große Summe an Energieimportkosten verbleibt auf diese Weise in der Region. Auf den Baum- und Strauchschnittplätzen im RHK fallen jährlich über 130.000 Kubikmeter an privatem Grünschnitt und Holzabfällen an, die zu Brennmaterial verarbeitet werden können. Bei der Aufbereitung fallen zudem rund 350 Tonnen Bodenhilfsstoffe an, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden.
Weitere Informationen:
– auf der Website des Rhein-Hunsrück-Kreises: https://www.kreis-sim.de/Klimaschutz/ Erneuerbare-Energien/Biomasse/

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